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Peer Gynt

Peer Gynt

von Henrik Ibsen

„Peer, du lügst!“ So beginnt das nordische Epos des Träumers und Fantasten Peer Gynt. Die Lebensgier der Jugend und die Suche nach dem eigenen Ich ziehen den Antihelden in die Fremde. Gynt besucht die Küsten und Wüsten der Welt, macht Bekanntschaft mit Trollen und Tollhäuslern und lässt sich zum Kaiser der Narren krönen – nur den Weg zu sich selbst findet er nicht. Gynts Reise währt ein halbes Leben lang und endet nach einem Schiffbruch auf hoher See an der Stelle, wo sie begonnen hat: vor dem Haus seiner Jugendliebe Solvejg. „Hin und zurück, ’s ist der gleiche Weg / Hinaus und hinein, ’s ist der gleiche Steg“. Peer Gynt betritt die Kammer, er ist alt geworden, während Solvejg auf ihn gewartet hat: auf einen, der scheitern musste, um am Ende Mensch zu werden.
Mit Peer Gynt schrieb Henrik Ibsen im Jahr 1867 ein „dramatisches Gedicht“, das die Frage nach den Möglichkeiten menschlicher Selbsterkenntnis auf eine bis heute gültige Formel bringt. Was als fantastisches Märchen daherkommt, ist Zeitstück, beißende Satire und faustische Weltbetrachtung zugleich. 
Christopher Rüping, der Regisseur des Abends, ist mit seiner Stuttgarter Inszenierung von Das Fest zum Berliner Theatertreffen 2015 eingeladen. Mit Peer Gynt widmet er sich erneut einem Stoff, der von Adoleszenz und der Begegnung der Lebensalter berichtet. Er erzählt den „nordischen Faust“ mit Ensemble und Herrenchor als Suchbewegung im Irrgarten realer und fiktiver Biografien und als Reise hinein in die Rätsel menschlicher Existenz.

Wenn die Figuren unserer Theaterinszenierungen Früchte wären oder Gemüse, dann wäre Christian aus Das Fest ein Pfirsich oder eine Avocado, jedenfalls irgendwas mit einem harten Kern. Er ist sich sicher, dass dieser Kern (das Trauma seiner Kindheit) sein Denken, Fühlen, Handeln, sein ganzes Sein bestimmt und sieht es als Lebensaufgabe an, diesen Kern sichtbar zu machen. Auch Peer Gynt ist auf der Suche nach seinem Kern. Aber je länger er sucht, desto sicherer wird er, dass es keinen Kern gibt. Er ist keine Avocado, kein Pfirsich, sondern eine Zwiebel: Schalen über Schalen, kein Kern. Und so beginnt er damit, sich selbst zu häuten, zu schälen, Schicht um Schicht abzulegen, bis er sich im Nichts auflöst. Und vielleicht die Freiheit findet, nach der Christian sich so sehnt.

Christopher Rüping

2:40 h, inklusive einer Pause

Regie: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Anna Maria Schories
Musik: Christoph Hart
Choreinstudierung: Wilhelm Bäuml
Dramaturgie: Bernd Isele

Besetzung:
Caroline JunghannsSvenja LiesauEdgar SelgeNathalie ThiedeBirgit UnterwegerJulischka Eichel, Herrenchor: Alfred Ankele, Wolfgang Ebert, Andreas Fett, Eberhard Fichtner, Heinz Fischer, Hilmar Friedel, Achim Geissinger, Walter Grupp, Harald Hald, Peter Hoffmann, Reinhard Kärcher, Thilo Kreiser, Peter Maciolek, Roland Möll, Edmund Ortwein, Tilman Peters, Werner Schlereth, Achille Stabile, Hartwig Stahl, Otto Strobel, David von Szilagyi, Martin Uhlirz, Eugen Völlm, Klaus Weinmann, Claus Wild, Detlev Wolf, Herbert Wolkenstein

Earlier Event: October 25
Mord
Later Event: October 31
Peer Gynt